COLECA: Assoziationen und Dissoziationen von Dyslexie und Dyskalkulie:
Kognitive Mechanismen, die der Komorbidität von Lernstörungen zugrunde liegen
Übergeordneter Forschungskontext / theoretischer Rahmen: Lesen, Rechtschreiben und Rechnen sind zentrale Bereiche schulischer Leistungen, und neuroentwicklungsbedingte Lernstörungen der Schriftsprache (Dyslexie) sowie der Rechenfertigkeiten (Dyskalkulie) haben erhebliche negative Auswirkungen auf schulische und berufliche Perspektiven sowie auf das psychosoziale Wohlbefinden. Dyslexie und Dyskalkulie treten häufig gemeinsam auf, doch die neurokognitiven Mechanismen, die dieser Komorbidität zugrunde liegen, sind bislang unzureichend verstanden. Theoretische Modelle müssen sowohl die hohen Komorbiditätsraten als auch die Dissoziierbarkeit beider Störungsbilder erklären.
Hypothesen / Forschungsfragen / Ziele: Ziel ist die Spezifizierung eines Multi-Defizit-Modells, das Assoziationen und Dissoziationen von Dyslexie und Dyskalkulie erklärt, indem das komplexe Zusammenspiel neurokognitiver Prädiktoren untersucht wird – sowohl domänenspezifischer (Dyslexie: phonologische Verarbeitung; Dyskalkulie: numerische Verarbeitung) als auch domänenübergreifender schulischer Prädiktoren (Sprache, Arbeitsgedächtnis, Exekutivfunktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit).
Vorgehen / Methoden: Auf Grundlage einer großen und repräsentativen Stichprobe von Grundschulkindern (N ≈ 3200) werden direkte und indirekte Effekte domänenspezifischer und -übergreifender Prädiktoren auf die Varianz in Lesen, Rechtschreiben und Rechnen sowie insbesondere auf deren Kovarianz untersucht. Zudem werden sorgfältig ausgewählte Subgruppen mit isolierten Schriftsprach- oder Rechenstörungen, mit komorbider Störung sowie mit typischer Entwicklung verglichen, um Unterschiede in kognitiven Profilen und die langfristige (18 Monate) Stabilität der Subgruppenzuordnung zu analysieren.
Projektleiterin: Univ.-Prof. Dr. Karin Landerl
Finanzierung: FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung)
Laufzeit: 2025-2028